Stellungnahme Matthias Wendel

Liebe Eishockeyfans,

zur Stellungnahme des Sergej Waßmiller, die interessanterweise auf der Homepage des Vereins erschienen ist, darf ich mich wie folgt äußern:

Ich möchte mich zunächst bei Trainer Sergej Waßmiller und dem Sportlichen Leiter Dietmar Habnitt für die in den Jahren, bis zur letzten Saison, geleistete Arbeit bedanken.

Ich räume ein, in der vergangen Saison bei einzelnen Entscheidungen Fehler gemacht zu haben, für die ich jedem Eishockeyfan in den nächsten Wochen Rede und Antwort stehen werde.

In der Stellungnahme von Sergej Waßmiller vermisse ich, dass er nicht auch nur mit einem Wort die Mitverantwortung an der sportlichen Situation der vergangenen Saison einräumt. Er sieht schlussendlich die Schuld ausschließlich bei anderen. Auf die, zum großen Teil, aus der Luft gegriffenen Behaupten darf ich wie folgt antworten:

1. Unzutreffend ist, dass eine deutliche Erhöhung des Spieleretats in Aussicht gestellt wurde. Ab dem ersten Tag wurde dem Trainer und dem Sportlichen Leiter die Höhe des Etats mitgeteilt, von dem nicht nach unten, sondern bei den erforderlichen Neuverpflichtungen, von zwei weiteren Ausländern, nach oben abgewichen wurde.

2. Dass wir ohne Co-Trainer in die Saison gehen, war von Anfang an klar und war beim Trainer und dem Sportlichen Leiter kein weiteres Diskussionsthema.

3. Unzutreffend ist, dass in die Kaderplanung eingegriffen wurde, bis auf eine einzige Ausnahme.

a) Trotz Intervention der GF, den Spieler Marsall zu behalten, entschied der Sportliche Leiter, dass dieser DEL2-Ansprüchen nicht genüge.
b) Beim Spieler Kasten wies die GF auf Belange außerhalb des sportlichen Bereiches hin, einhergehend mit dem Hinweis, dass die sportliche Leitung die abschließende Entscheidung treffe. Dietmar Habnitt sprach sich schließlich gegen eine Weiterverpflichtung aus.
c) Der einzige Punkt, wo sich die GF tatsächlich einmischte, war bei der Personalie Sebastian Mayer. Sergej Waßmiller sprach sich eindeutig gegen eine Weiterverpflichtung aus. Die GF wies auf die Verdienste für das Bayreuther Eishockey von Sebastian Mayer hin und dass er plane, möglicherweise nach dieser Saison einer anderen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Den Vorwurf des Trainers, dass man sich das Gehalt für Sebastian Mayer für einen anderen Spieler hätte sparen können, muss ich mir gefallen lassen.
d) Unzutreffend ist, dass ein dritter Torhüter kategorisch abgelehnt wurde. Trainer und der Sportliche Leiter gingen bis zum Abschluss der endgültigen Lizenzierung Anfang September davon aus, dass zwei Torhüter ausreichen und die Mittel lieber in einen Feldspieler investiert werden sollten. Kurz vor Saison teilte mir die DEL2 mit, dass wir mit nur zwei Torhütern nicht spielberechtigt gewesen wären. Erst zu diesem Zeitpunkt machten sich der Trainer und der Sportliche Leiter schlau und Gedanken, als bereits der gesamte Kader stand. Schließlich lizenzierte man noch den jungen Torsteher aus Regensburg.
e) Von Anfang an waren vier Kontingentspieler vorgesehen. Neben den Akteuren Vosvrda und Kolozvary wurden die Verträge mit Pesut am 29.05.2017 und mit Barta am 12.06.2017 geschlossen. Wie Sergej Waßmiller also zu der Erkenntnis kommt, dass man anfangs nicht vier Kontingentspieler verpflichten wollte, bleibt sein Geheimnis.
f) Das Drama der Kaderplanung stellte sich Mitte Oktober ein, vier Wochen nach Saisonbeginn, nachdem der Trainer und der Sportliche Leiter mit drei Spielern, u.a. den zwei neuen Ausländern kam und die GF bat, alles zu unternehmen, um die Verträge aufzulösen. Dies erfolgte auch kurzfristig bei den beiden Ausländern. Dem Wunsch kam die GF nach und akquirierte nochmals 20.000.-€ um, nach den Worten des Trainers und Sportlichen Leiters, zwei Kracher nachverpflichtet zu können.

4. Die Situation und Gründe der schwierigen Zusammenarbeit mit dem Stammverein war dem Trainer und dem Sportlichen Leiter von Anfang an bekannt und wurde von beiden akzeptiert. Der Sportliche Leiter hatte von der GF die Möglichkeit eingeräumt bekommen, wegen eines Torhüters an den Stammverein heranzutreten, was dort jedoch abgelehnt wurde.
Auf die Wünsche des Trainers und des Sportlichen Leiters wurde auch während der Saison reagiert. Zum ursprünglichen Kader wurden weiter neun Spieler lizenziert, deren Einsatz teilweise nach wenigen Spielen wieder hinfällig war.

5. Unzutreffend ist, dass die Betreuer nicht mehr zur Mannschaft gehören sollten, weil diese auf dem offiziellen Mannschaftsplakat fehlten.
Als im Februar die Tätigkeit des Fitnesstrainers auf Wunsch des Trainers durch die GF als weiterer zusätzlicher Kostenfaktor akzeptiert wurde, war für alle Beteiligten klar, dass dies zunächst auf zwei Monate bis zum Ende der Saison beschränkt werden sollte, um den Effekt danach zu beleuchten. Nur aus diesem Grunde sollte während eines Test-Beschäftigungsverhältnisses der Fitness-Trainer noch nicht in die absoluten Internas der Kabine eingeweiht werden, die nicht einmal die GF für sich beanspruchte.

Der Sportliche Leiter bestand nach Ablauf der Befristung des Vertrages Raitums Ende Januar auf der Weiterverpflichtung, da genau zu diesem Zeitpunkt Verletzungen des Spielers Vosvrda auftraten. Er äußerte sich der GF gegenüber, dass man dankbar sein müsse, mit Raitums auch für die Playdowns adäquaten Ersatz zu haben.

6.Völliger Blödsinn ist die Äußerung bzgl. der Reglementierung von Schlägertapes und nicht vorhanden Pucks. Nach Ende der Saison wurden 100 überzählige neue Pucks an den Ausrüster zurückgegeben. Eine Überwachung der Materialausgabe erfolgte deswegen, da in den vergangen Jahren die erste Herrenmannschaft der Tigers den absolut höchsten Bedarf in der Liga hatte. Nachdem dem Trainer und dem Sportliche Leiter bekannt war, dass in diesem, alleine ihnen obliegenden Bereich, wo sie sich Einmischungen verbaten, Ausrüstungsmaterial seit Jahren abhanden kam, erfolgte erstmals eine Überwachung der ausgegeben Materialen, mit anschließender erheblicher Kostenreduzierung.

7. Dass der Trainer schon längst den Kontakt zur Mannschaft verloren hatte, kann er nicht damit entschuldigen, dass ein einziges Mal die Videoanalyse ausfallen musste. Richtig ist, dass nach dem desastösen Spiel in Crimmitschau die GF den Spielern anbot, sich mit der GF auszusprechen und verschiedene Punkte zu analysieren. Die GF stellte es der Mannschaft frei, zu entscheiden, ob Sergej Waßmiller und Dietmar Habnitt bei diesem Gespräch anwesend sein sollten. Bis auf einen Spieler, der sich enthielt, sprachen sich alle Spieler gegen eine Anwesenheit aus. Was in dieser 3-stündigen Besprechung heraus kam in Bezug auf das Verhältnis Trainer/Mannschaft, war ein einziger Offenbarungseid. Auf mein Bitten hin, gerichtet an die erfahren Spieler, von sich aus auf den Trainer zuzugehen und zu retten, was fast nicht mehr zu retten war, lehnten diese Spieler ab, da sie keine Erfolgsaussichten darin sahen. Genau hier liegt mein größter Fehler, den man mir in der letzten Saison vorwerfen kann. Nach diesem Gespräch hätte die Zusammenarbeit mit dem Trainer sofort beendet werden müssen. Trotz der immensen finanziellen Auswirkung aufgrund des 2-Jahres-Vertrages und der Tatsache, dass der Sportliche Leiter Dietmar Habnitt dann auch sofort seine Tätigkeit beendet hätte, wie bereits vorher mehrfach angedroht. Dies auch auf die Gefahr hin, dass es dann bei einem Abstieg gehießen hätte – verantwortlich ist die GF wegen dieser Trainerentlassung. Genau das, was jetzt eintritt, in Bezug auf unhaltbare Behauptungen, wäre dann während der Playdowns öffentlich diskutiert worden.
Ergebnis dieses Gespräches mit den Spielern war, dass wegen der engen freundschaftlichen Beziehung Trainer/Sportlicher Leiter sie auch keine Anlaufstelle beim sportlichen Leiter sahen und somit ein Vakuum entstand.

8. Die Absprache von Teambuilding-Maßnahmen ist in anderen Clubs eine Selbstverständlichkeit, da zum einen Sponsorenaktivitäten geprüft werden müssen, zum anderen die GF schon wissen sollte – angesprochen von Externen – was die Mannschaft gerade unternimmt. Nach der schonungslosen Offenlegung des Verhältnisses Spieler/Trainer wurde von der GF eine einzige Teambuilding-Maßnahme vorgenommen, um ggf. noch einiges zu retten.

9. Die Wohnungssituation als Ausrede für den sportlichen Misserfolg heranzuziehen entbehrt jeglicher Grundlage. Dass Spieler-Wohnungen teilweise erst Ende der Festspiele zur Verfügung stehen und einige Spieler im August vier Wochen im Studentenwohnheim untergebracht werden, wird seit Jahren praktiziert. Der Vorschlag dieser Handhabung kam vom Sportlichen Leiter, der auch den Kontakt zum Studentenwohnheim herstellte. Da auf Anforderung des Trainers ständig neue Spieler kamen und gingen (9 zusätzlich lizenzierte Spieler) war die Unterbringung nicht einfach, stellte aber für die Spieler selbst kein Problem dar. Der Spieler Koluplayo zum Beispiel, kurzfristig geholt und genauso kurzfristig vom Trainer wieder fallen gelassen, (6. Ausländer, „keine Rückwärtsbewegung“ im Spiel Crimmitschau) wurde eigens im Hotel untergebracht. Interessant ist, dass sich in der letzten Woche ein neuer Spieler in Bayreuth vorgestellt hat, der von seinem Berater auf die ausgezeichnete Wohnungssituation in Bayreuth hingewiesen wurde.

Abschließend ist festzustellen, dass die Stellungnahme von Sergej Waßmiller keinen einzigen Satz der Mitverantwortung in Bezug auf Verpflichtung falscher Spieler, das Chaos der Nachverpflichtung von zwei Ausländern, die nicht mehr gegebene Motivationsmöglichkeit der Spieler, gewisse Beratungsresitenz gegenüber erfahrenen Spielern, dem Umgang mit jungen Talenten, u.a. enthält – unabhängig von nicht bestrittenen früheren Leistungen und Erfolgen. Es ist schade, dass mit einem Rundumschlag alle anderen die Schuld an der sportlichen Entwicklung tragen. Ich kann versichern, dass ich im Gegenteil zum Trainer aus dieser Situation der vergangen Saison gelernt habe und mit neuen verantwortlichen Personen und Euch als Fans einen Neuanfang starten möchte.

Vielen Dank

Matthias Wendel

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